Trotz Arbeit Sozialleistungen beziehen müssen

Geldbörse und Modellauto als Krankenwagen

18.01.2016

 

Wenn Menschen trotz einer Vollzeitbeschäftigung nicht genug verdienen, um davon leben zu können, läuft sicherlich etwas falsch. Tatsächlich ist es aber so, dass seit einigen Jahren die Anzahl der Menschen zunimmt, die trotz Arbeit Sozialhilfe oder andere vergleichbare Leistungen beziehen müssen, um über die Runden zu kommen.

Deutschland ist ein reiches Land - sollte man zumindest meinen. Hunger und Armut kannte man bisher hauptsächlich aus Ländern der Dritten Welt. Dabei gibt es auch in Deutschland eine ganze Menge Menschen, die unter der sogenannten Armutsgrenze leben müssen oder von der Armut bedroht sind. Bei vielen Arbeitnehmern reicht das verdiente Geld noch nicht einmal aus, um damit den Lebensunterhalt zu bestreiten. Und dabei sind Menschen gemeint, die vollzeitbeschäftigt sind. Es gibt verschiedene Gründe für diese Missstände. Sie lassen sich beispielsweise auf die Tatsache zurückzuführen, dass immer häufiger nur befristete Arbeitsverträge ausgestellt werden sowie Werkverträge. Die Zeitarbeit ist auch so eine Sache. Tatsächlich gibt es verschiedene Dinge, mit denen die Unternehmen ihre Personalkosten so gering wie möglich halten wollen. Es scheint kein Patentrezept zu geben, um die Situation der Angestellten in diesen Bereichen zu verbessern. Auch die Politik scheitert an dieser Aufgabe. Während es früher ganz normal war, dass ein einziger Berufstätiger eine ganze Familie versorgen konnte (meistens war dies der Familienvater), so reicht der Verdienst heute bei vielen nicht einmal dafür, den eigenen Lebensunterhalt des Verdieners aufbringen zu können.

Geringfügige Beschäftigung als Gefahr

So etwas wie Teilzeitstellen oder geringfügige Beschäftigungen waren früher hauptsächlich Beschäftigungen für Reinigungskräfte oder ähnliches. Teilzeitjobs oder auch sozialversicherungsfreie Beschäftigungen (450-Euro-Jobs bzw. Minijobs) sind heute keineswegs nur Reinigungskräften oder anderen typischen Beschäftigungen in diesen Bereichen vorbehalten. Viele Firmen versuchen heute, die Lohnkosten bzw. Lohnnebenkosten so gering wie möglich zu halten, weshalb immer mehr Teilzeitkräfte oder Minijobber beschäftigt werden. Außerdem verdienen auch immer mehr Menschen ihren Lebensunterhalt im Rahmen der Zeitarbeit sowie in befristeten Jobs. Natürlich sind diese Beschäftigungsarten mit geringeren Verdiensten verknüpft, sodass die betroffenen Arbeitnehmer kaum noch über die Runden kommen.

Es sind aber keineswegs nur die Angestellten, die häufig nicht einmal in der Lage sind, Geld für eine vernünftige Altersvorsorge beiseite zu legen. Auch viele Selbstständige oder Freiberufler kommen kaum mit ihren Einnahmen aus und geraten so immer stärker in Gefahr, in die Altersarmut abzurutschen. Die sogenannte Normalbeschäftigung, welche gut bezahlt wird und eine ausreichende Altersvorsorge möglich macht, wird praktisch zum Auslaufmodell.

Noch einige Worte zu den Steuern und Sozialabgaben in Deutschland:

Vor einigen Jahrzehnten war es ganz normal, mit einem Vollzeitjob bzw. den damit verdienten Geld nicht nur den Lebensunterhalt zu bestreiten, sondern auch die Altersvorsorge zu sichern. Sogar einige Extras waren noch drin. Heute müssen in Lebensgemeinschaften in der Regel beide Partner arbeiten, um zumindest das notwendige Geld zu verdienen für einen vernünftigen Lebensstandard. Verantwortlich dafür sind unter anderem die in den letzten Jahrzehnten nicht unerheblich an gestiegenen Steuern sowie Sozialabgaben für sozialversicherungspflichtig beschäftigte Arbeitnehmer. Eine zweite Einkommensquelle ist in der Regel notwendig, um auch im Alter noch ausreichend abgesichert zu sein.