Was ist Handarbeit heute noch wert?

Zwei Wollmützen auf Styroporköpfen

13.12.2015

 

Lohnt es sich heute eigentlich noch, Selbstgemachtes zu verkaufen? Wie kommt es, dass man auf verschiedenen Märkten sowohl recht hohe als auch relativ niedrige Preise für selbstgemachte Dinge, also Handarbeit, vorfindet? Die Preisgestaltung von echter Handarbeit ist so eine Sache für sich. Die Preiskalkulationen sind sehr unterschiedlich, sofern sie überhaupt gemacht werden.

Neulich auf einem Markt für selbstgemachte Dinge waren unter anderem auch Mützen, Schals oder andere Stoffartikel zu finden. Während an einem Stand die Sachen zu Schleuderpreisen (beispielsweise Mützen für weit unter zehn Euro) angeboten wurden, waren an einem anderen Stand wesentlich höhere Preise zu finden. Wie kommen solche Preisunterschiede zustande und wie viel ist Handarbeit heute noch wert? Tatsächlich müssen in eine solche Preiskalkulation verschiedene Dinge einfließen, um einen Endpreis für den Käufer überhaupt festlegen zu können. Dazu gehören beispielsweise folgende Dinge:

  • Zum einen ist da das Material, das verarbeitet wird. In diesem Beispiel handelt es sich natürlich um die Wolle, die zu Kleidungsstücken wie Mützen oder Schals verarbeitet wird. Schließlich muss diese vom Verkäufer auch eingekauft werden.
  • Die Arbeitszeit ist ein weiterer wichtiger Punkt. Handgearbeitete Produkte herzustellen, ist in der Regel eine recht zeitintensive Angelegenheit. Schnell kommen mal einige Stunden zusammen, um beispielsweise ein Kleidungsstück wie eine Mütze oder ein Paar Socken zu stricken. Würde man als Stundenlöhne die gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlöhne nehmen, so wären die Kleidungsstücke wahrscheinlich unbezahlbar.
  • Natürlich gibt es auch einige Nebenkosten, die für selbstständige Verkäufer anfallen. Ein Gewerbe kostet immer Geld. Da sind beispielsweise Steuern, die abgeführt werden müssen. Alleine die Mehrwertsteuer schlägt, wie allgemein bekannt sein dürfte, mit 19 Prozent zu Buche. Handelt es sich beispielsweise um ein Produkt, das im Verkauf 30 Euro kostet, so müssen für dieses Produkt knapp 4,80 Euro an das Finanzamt gezahlt werden. Werden die Waren auf Märkten verkauft, so fallen natürlich auch entsprechende Standgebühren an, die manchmal nicht gering sind.
  • Häufig vergessen wird auch ein Risikoaufschlag, der im allgemeinen bei etwa 15 Prozent liegen sollte. In diesem Risikoaufschlag sind Verluste enthalten, die beispielsweise durch Defekte von Geräten und Materialien oder auch durch den Verschleiß oder eventuelle Verschmutzungen entstehen, die auch auf Märkten sehr schnell einmal vorkommen können. Wie schnell ist es passiert, dass beispielsweise Kleidungsstücke unterwegs beschädigt oder verschmutzt werden.
  • Nicht vergessen werden sollten natürlich die Kosten, welchen Shopbesitzern zusätzlich noch entstehen können. Da wären zum Beispiel die Mietkosten für das Ladenlokal mitsamt den jeweiligen anfallenden Nebenkosten oder auch den Kosten für eine laufende Internetseite samt deren Einrichtung und Wartung.
Gehäkelte Wollmütze auf Kunstkopf
Diese Mütze dient als Rechenbeispiel

Ein kleines Rechenbeispiel in etwas vereinfachter Form

Häufig findet man an verschiedenen Marktständen Mützen zu Preisen von 8 Euro. Andere Kosten hingegen beispielsweise 29 Euro. Zu dem Preis von 29 Euro eine kleine Berechnung:

 

Vom Endpreis (29 Euro im Verkauf) müssen zunächst die Materialkosten abgezogen werden. Bei einer Mütze handelt es sich um ca. 100 Gramm Wolle zu einem Materialpreis von 7 Euro. Es bleiben also 22 Euro übrig.

 

Es handelt sich hier allerdings um den Produktpreis, von dem noch die Steuern abgezogen werden müssen. Von 22 Euro abzüglich Steuern (19 Prozent) bleiben 18,49 Euro netto übrig.

 

Man könnte jetzt diesen Preis hernehmen und beispielsweise durch die Zeit in Stunden teilen, welche für die Herstellung der Mütze benötigt wurde. Nimmt man hier vier Stunden, so kommt man auf einen Stundenlohn von 4,62 Euro. Natürlich bleibt dieser jedoch nicht unterm Strich übrig, da ja noch weitere Nebenkosten zum Betreiben eines Geschäfts anfallen (siehe oben). Es handelt sich hier also um eine sehr stark vereinfachte Rechnung. Tatsächlich ist der Stundenlohn wegen der zusätzlich anfallenden Nebenkosten natürlich noch deutlich geringer. Aber wer arbeitet denn heute zu einem Stundenlohn von 4,62 Euro? Selbst dies ist sehr wenig. Rechnen Sie sich doch einmal aus, wie diese Rechnung bei einem Verkaufspreis einer Mütze für acht Euro aussehen würde...