Die Audiokassette alias „Compact Cassette“

Mehrere Audiokassetten mit unterschiedlichen Bandsorten. Das Chromdioxid-Band ist schwarz.

08.06.2017

 

Noch vor wenigen Jahrzehnten war ein Kassettenteil fester Bestandteil jeder Stereoanlage und jedes Autoradios. Sie ist noch nicht ganz so alt wie die Schallplatte, bietet aber dafür die Möglichkeit, Aufnahmen auch selber anzufertigen und diese in kompakter Form zu speichern und zu archivieren. Nach den Neunzigern drohte sie jedoch auszusterben, da sich inzwischen andere Formate wie beschreibbare CDs oder auch MP3-Dateien etabliert hatten. Viele kennen die Audiokassette bzw. Musikkassette oder „Compact Cassette“ gar nicht mehr. Allerdings ist sie immer noch nicht ausgestorben.

Viele Menschen älteren Jahrgangs können sich sicher noch an Zeiten zurück erinnern, in denen es ganz normal war, entweder das Radioprogramm oder auch verschiedener Schallplatten bzw. CD ist auf Audiokassetten aufzunehmen. Genauso gut war es natürlich möglich, mithilfe eines Mikrofons andere Tonaufzeichnungen zu machen. Viele Menschen dürften noch etliche Musikkassetten n verschiedenen Kisten oder Kartons im Keller aufbewahrt haben. Ebenfalls sehr großer Beliebtheit erfreuten sich in den achtziger Jahren (und teilweise sogar darüber hinaus) Hörspiele auf Audiokassetten, die inzwischen zum Teil zu Sammlerpreisen gehandelt werden. In den siebziger und achtziger Jahren war es auch normal, sich sogenannte Mix-Tapes selbst zusammenzustellen, welche die Lieblingshits enthielten. Der Vorteil der Kassetten war der, dass man diese überall mit hinnehmen und abspielen konnte. Für unterwegs war der Walkman das praktische und handliche Abspielgerät, im Auto gab es das Autoradio mit eingebautem Kassettenteil. Wer wollte, konnte die Kassetten natürlich auch zuhause auf dem hochwertigen Kassettendeck der Stereoanlage abhören oder auch mit dem Kassettenteil des Ghettoblaster.

Ein paar Worte zur Geschichte der Musikkassette bzw. Audiokassette

Der direkte Vorläufer der Audiokassette ist das Tonband, das nach dem gleichen Prinzip funktioniert. Der Nachteil der Tonbandgeräte bzw. Bandmaschinen war bzw. ist jedoch der, dass diese meist deutlich größer sind als die handlichen Kassettenrekorder. Die ersten Tonbänder wurden im Jahre 1935 von der „Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft“, heute AEG, hergestellt, ebenso wie die dazu passenden Tonbandgeräte. Im Jahr 1963 wurde die erste Audiokassette vorgestellt. Diese wurde damals als „Compact Cassette“ bezeichnet. Auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin wurde sie zusammen mit dem passenden Kassettenrekorder vorgestellt. Der Hersteller des Gerätes mit der Bezeichnung EL 3300 war Philips. Der Kassettenrekorder war im Gegensatz zu den meisten Tonbandgeräten schon komplett mit Transistoren bestückt und kostete im Jahre seiner Markteinführung 299,- DM.

Kassettendeck mit vielen Ausstattungsmerkmalen aus den siebziger Jahren (Dual C 939)
Kassettendeck mit vielen Ausstattungsmerkmalen aus den siebziger Jahren (Dual C 939)

Die Konkurrenz der Compact Cassette

Neben dem Philips EL 3300 und seinen Compact Cassetten gab es damals noch einige andere Kassettensysteme konkurrierender Hersteller, darunter das alternative Kassettensystem mit der Bezeichnung DC-International der Grundig AG. Diese Kassetten waren etwas größer als die Compact Cassette von Philips und konnten sich nicht durchsetzen. Auch die USA waren nicht untätig und stellten zwei Jahre nach der Compact Cassette die 8-Spur-Kassette vor, welche vor allem in ihrem Heimatland sowie in Großbritannien erfolgreich war. Aber auch dieses System konnte sich gegen die Compactcassette bzw. Audiokassette nicht durchsetzen und wurde in den achtziger Jahren vom Markt gedrängt. Auch das in Japan entwickelte System mit der Bezeichnung „Elcaset“ verschwand einige Jahre nach seiner Markteinführung wieder vom Markt. Alleine diese Beispiele zeigen, wie erfolgreich sich die Audiokassette gegen alle anderen Systeme durchsetzen konnte.

Der Siegeszug der Audiokassette

Die Compact Cassette war in den sechziger Jahren bei weitem noch nicht so erfolgreich, wie es in den Siebzigern und Achtzigern der Fall sein sollte. Ganz im Gegenteil. In den Sechzigern war die Audiokassette ein Aufzeichnungsmedium, das keine besonders gute Klangqualität bot. Im nächsten Jahrzehnt sollte sich dies jedoch ändern. In den Siebzigern wurde die Compact Cassette Hi-Fi-fähig. Außerdem waren inzwischen die ersten Stereokassettengeräte auf den Markt gekommen. Von nun an wurde die Audiokassette zu einer ernsthaften Konkurrenz für die großen Bandmaschinen, welche zumindest im Heimbereich nach und nach von den kompakten Audiokassette verdrängt werden sollten. Einige Gründe für den Erfolg stellten neben der Verbesserung der Klangqualität auch die vielen verschiedenen Geräte zur Aufnahme und Wiedergabe von Audiokassetten dar. Neben hochwertigen Kassettendecks oder tragbaren Kassettenrekordern gab es die erfolgreichen Radiorekorder, die über ein Radioteil und ein Kassettenteil verfügten und so die Möglichkeit boten, sowohl Aufnahmen mit dem eingebauten Mikrofon anzufertigen als auch Radiosendungen direkt aufzuzeichnen. Für unterwegs gab es Ende der Siebziger den Walkman, der in einem äußerst kompakten Format das Hören von Stereoaufnahmen in bester Hi-Fi-Qualität auch unterwegs ermöglichte. Für das Auto hatten sich inzwischen schon längst entsprechende Autoradios mit Kassettenteil auf dem Markt etabliert. Es sollte nicht mehr lange dauern, bis mehr Autoradios mit Kassettenteil als solche ohne verkauft wurden.

Die verschiedenen Bandsorten und die Rauschunterdrückung

Natürlich wurde auch die Technik der Audiokassette immer wieder verbessert. So gab (bzw. gibt) es mittlerweile viele verschiedene Typen von Tonbändern, welche in den Kassetten zum Einsatz kommen. Abhängig von der Bandsorte sind es technische Eigenschaften der Cassette wie der Frequenzgang bzw. der Frequenzbereich der Aufnahmen.

  • Typ I, IEC I, Fe2O3: Diese Bandsorte ist sozusagen das ursprüngliche Bandmaterial und wird häufig auch als Eisenoxid-Tonband bezeichnet.
  • Typ II, IEC II, CrO2: Dieses Bandmaterial kam in den siebziger Jahren auf den Markt und wird häufig auch als Chromdioxid-Band bezeichnet.
  • Typ III, IEC III, FeCr: Das Bandmaterial wird auch als Ferrochrom-Band bezeichnet und besteht aus einer Schicht Chromdioxid sowie einer unteren Schicht aus Eisenoxid.
  • Typ IV, IEC IV, Metallband: Dieses Bandmaterial für das Audiokassettensystem konnte die ohnehin verbesserte Klangqualität der Chromdioxid-Bänder nochmals deutlich übertreffen. Allerdings konnte sich diese Bandsorte gegenüber dem herkömmlichen Chromdioxid-Kassetten niemals richtig durchsetzen.

Ein ständiger Begleiter der Tonbandtechnik ist natürlich das Bandrauschen. Dies hat sich auch nach der Einführung der Audiokassette nicht geändert. Die Industrie entwickelte im Laufe der Zeit verschiedene Verfahren zur Rauschunterdrückung, um genau dieses Problem in den Griff zu bekommen. Die sicherlich bekanntesten Verfahren sind die Systeme Dolby-B und Dolby-C. Verschiedene Hersteller von Kassettengeräten entwickelten zudem eigene Systeme wie beispielsweise High-Com (Telefunken) sowie DNL (Philips). Einige Kassettengeräte besitzen sogar mehrere Rauschunterdrückungssysteme.

Verschiedene Hörspielkassetten
Verschiedene Hörspielkassetten

Die Audiokassette heute

Natürlich wird die Audiokassette inzwischen von den meisten Menschen als veraltetes Medium angesehen und ist heute auch nicht mehr so weit verbreitet, wie dies noch vor ein oder zwei Jahrzehnten der Fall war. Allerdings bedeutet dies nicht, dass sie heute nicht mehr genutzt wird. Ihr Hauptvorteil gegenüber vielen anderen Datenträgern besteht darin, dass sie recht robust aufgebaut ist. Recht häufig genutzt wird sie daher als Hörspielkassette für Kinderkassettenrekorder. Gerne eingesetzt wird sie auch in verschiedenen Musiksparten als sogenanntes Mixtape. Für normale Musikaufnahmen genutzt wird sie zum größten Teil außerhalb von Europa. In verschiedenen afrikanischen Ländern oder anderen Bereichen der Erde wird sie wegen ihrer Robustheit und der einfachen Technik nach wie vor gerne verwendet. Natürlich sollte man auch die wahren Fans der Musikkassette nicht vergessen, welche sich nach wie vor für die Technik und die Kassettengeräte interessieren.